Samstag, 9. Januar 2016

CI Vergleich 2016

Oticon hat gerade ihr neues CI-System, bestehend aus dem Implantat Neuro Zti und dem Signalprozessor Neuro One, vorgestellt. Es ist den technischen Daten nach eine flexible, schnelle Platform, ähnlich der zu Med-El, dazu ist der Signalprozessor vergleichsweise sehr kompakt.

Somit nun die aktualisierte Übersicht der CI's der 4 bekannten Hersteller:


Hersteller Advanced Bionics (AB) Cochlear Med-El Oticon Medical/Neurelec
Signalprozessor / Sprachprozessor Naida CI Q90 EAS (HdO)
Naida CI Q70 (HdO)
Neptune (Tasche)
Nucleus 6 (N6, HdO: CP 910/920)
Nucleus 5 (N5, HdO: CP 810)
HdO: Sonnet
Single-Unit: Rondo
HdO: (Opus2)
Neuro One (HdO)
Anzahl Mikrofone u. Typ 2 bis 4 (oben am SP u. am T-Mic) 2 (omni-direktional, für Zoom-Funktionen) Sonnet: 2 (Richtmikrofone),
Rondo: 1
Opus2: 1
2
IDR, Mikrofonempfindlichkeit 80 dB 80 dB (Klangfenster 45 dB) 75 dB (Klangfenster 55 dB) 95 dB
Implantat (Länge) HiRes 90K (56,0mm)

HiRes 90K Advantage
Nucleus Profile Series (3.9mm x 50,5mm) (statt CI 500 Serie)


CI 24RE

CI 422 Slim-Straight
Synchrony (Titan: 4,5mm x 45,7mm)

Concerto (Titan: 4,5mm x 45,7mm)
Neuro Zti
(4,5mm x 30,5mm), kein Fräsen, Befestigung mit 2 Schrauben, d.h. kürzeste OP-Zeit
MRT erlaubt? (nur mit Rücksprache mit dem Hersteller) ja, <= 1.5 Tesla
(Magnet entfernbar)
ja, <= 1.5 Tesla (Magnet entfernbar) ja, Synchrony <= 3.0 Tesla (Magnet frei beweglich, muss nicht entfernt werden, ist aber entfernbar),
andere Implantate <= 1.5 Tesla.
ja, <= 1.5 Tesla
(bei Entfernung des Magneten <= 3 Tesla)
Anzahl Stimulations-
kanäle
16 22 (davon werden bei ACE bis 12 verwendet pro Durchlauf, siehe Kodierungsstrategien) 12 20
Anzahl Stromquellen 16 1 12 (bzw. 24, da Elektodenpaar pro Stimulationskanal) 24
Art der Stimulation parallel sequentiell parallel im Tieftonbereich ( 3 od. 4 Kontakte/Kanäle) und sequentiell
(voll parallel möglich)
sequentiell/ (voll parallel möglich)
Maximale Pulsrate 83000/s 31500/s 50704/s 47500/s
Anzahl Frequenz-/Spektral-
bänder bzw. potenziell unterscheidbare Ton-
höhen ("Virtuelle Kanäle", "Virtuelle Elektroden", "pitches" mithilfe Stromsteuerung/
-verteilung durch Überlagerung)
Implementiert: 120

Mittelwert, ermittelt in Studien: 100


(aus Forschung: manche können bis zu 460 Töne unterscheiden)
Mittelwert, ermittelt in Studien: 161 Je nach Kodierungs-strategie implementiert: bis zu 250 ?
Frequenzbereich 150 bis 8000 Hz 188 bis ca. 8000 Hz 70 bis 8500 Hz bis 8268 Hz
Elektrodenträger
(Länge über alle Kontakte)
HiFocus 1j 17mm

HiFocus Helix 13mm


HiFocus Mid-Scala atraumatisch
Contour Advance (vorgeformt) 19mm,

Double Array,


Slim-Straight 20mm (atraumatisch),



Hybrid/EAS,

Straight.

ABI
STANDARD/FORM:
Standard 31mm Medium 24mm Compressed 12mm

Split

FLEX atraumatisch: 

FlexSoft 31mm, 
Flex28 28mm, 
Flex24 24mm, 
Flex20 20mm

ABI
CLA 25mm

evo 24mm atraumatisch

16 + 2 22 + 2 (19 od. 24) + 2 je nach Träger, 1 bis 2 je Kanal 20 + 2
Signalkodierungsstrategien HiRes 120ACE, SPEAK, MP3000 HD-CIS, FineHearing (FSP, FS4, FS4p) MPIS CAP,
Crystalis CAP,
MPIS XDP,
Crystalis XDP
Kodierung der Feinstruktur (Phase, Oberwellen für zeitl. u. örtl. Kodierung) zur verbesserten Wahrnehmung von Tonhöhen u. Verstehen im Störlärmneinneinja (FineHearing)?
Software / Strategien für optimiertes Sprachverstehen AutoSound, ClearVoiceSmartSound 2 (automatischer Wechsel der Programme je nach Situation) od. manuelle Wahl von Programmen Sonnet: ASM 2.0 (+Zoom),
Rondo: ASM 1.0,
Opus2: ASM 1.0
(Automatic Sound Management, vollautomatisch), FineHearing
Crystalis, Focus, Stimmverfolgung
Reduktion der Windgeräusche Naida: jaN6: ja Sonnet: ja,
Rondo: nein
Opus2: nein
ja
EAS (Elektro-Akustische Stimulation) möglich neinN6: ja Sonnet: ja,
Rondo: nein
Opus2: nein
nein
Staub-/Wasserschutz Harmony: "wasserabweisend", Naida: wasserdicht nach IP 57,
 Neptune: sicher wasserdicht, IP 68
CP810, CP910/920: IP 57 mit Akkus, "geschützt gegen kurzes Eintauchen". Sonnet: spritzwassergeschützt, IP 54

Rondo mit Schutzhülle WaterWear, tauchfähig, IP 68


Opus2: "wasser-abweisend"
IP 54
Fernbedienung / Anzahl Programme Harmony: nein/3
Naida: ja/5
ja/4 ja/4 (Signalprozessor ist schalterlos) nein/4
Funk-/Drahtlos-/Bluetooth-Technik für Anbindung von Zubehör
Naida: ja

(über Gateway)
N6: ja

(FM direkt für kompatible Resound-Geräte oder per Bluetooth (BT) über Gateway - BT wird nach Software-Update verfügbar sein)


Sonnet: Wireless Ready - ist vorbereitet für Kopplung an Smartphone/Bluetooth-Geräte über Med-El Audiolink.


Bei allen ist ebenso über FM-/Mini-Batteriefach mit Audioschuh-Anschluss Anbindung von FM od. Bluetooth möglich.
Nein, nicht direkt.

Anschluss von FM-Stecker bzw. Verwendung der T-Spule ist möglich.


Über Audio-schuh-Anschluss ist Anbindung von FM od. Bluetooth möglich.
T-Spule für Anbindung von Zubehör ja ja ja ja
Data Logging (unterstützt Anpassungen) Naida: ja N6: ja Sonnet: ja ?
Laufzeit in Std. bis zu:
Batterie / Akku
30/16-36 (je nach Akkugröße) 60/30 Sonnet: 60/16,
Rondo: 90
?
Sprachverständnis (die Werte beziehen sich auf ältere Versionen von Prozessoren, für Naida, N6 od. Sonnet sind noch keine bekannt) 79% CNC bei 60dBA, 59% AB Worte bei 70dB SPL. 87% CUNY Sätze bei 70dB SPL. HINT S/N +5 dB: 45,8% 87% CNC bei 60dBA, 69% AB Worte bei 70dB SPL, 97% CUNY Sätze bei 70dB SPL. HINT S/N +5 dB: 53,7% 71% AB Worte bei 70dB SPL, 98% CUNY Sätze bei 70dB SPL.
(50% im Störschall, auch wenn die Störgeräusche mehrere Stufen lauter waren als die Stimme.) Med-El, 2010.
HINT S/N +5 dB: 44,7%
HINT (Hearing in Noise Test), Satztest englisch, ähnlich OLSA:
in Ruhe 87,2%
S/N +5 dB 58,7 dB
Zuverlässigkeit / CSR des Implantat 99,8% nach 12 Mon., 99,1% nach 30 Mon.
(Sep. 2011: Rückruf beendet)
99,96% nach 12 Mon. (CI 500), 99,2% nach 48 Mon. (CI 24RE)
(Sep. 2011: Rückruf der CI 500 Serie)
99,9% nach 12 Mon. (Concerto), 
99,7% nach 48 Monaten (Sonata),
1997 letzter Rückruf (Pulsar).
?


Tipps für Kriterien zur Entscheidungsfindung:

  • Handhabung des Signalprozessors, Design (z.B. ist Bedienung nur über Fernbedienung möglich oder sind auch Schalter am Signalprozessor vorhanden? Wie staub-/wasserdicht ist der Signalprozessor? Sitz am Ohr und Kopf? Halt mit/ohne CI-Halterung?)
  • Die Hersteller verfolgen unterschiedliche Philosophien:
    1. Signal pur (250 Frequenzkanäle, sequentiell/parallel) + Kompression/Vorfilterung mit sehr schneller, fast unmerklicher Anpassung: ASM + FineHearing mit Kodierung der Feinstruktur, 1 bis 2 Mikrofone (Med-El) - das Gehirn lernt durch die Informationen durch FineHearing, selbst die Störgeräusche zu filtern, insbesondere zusammen mit einem 2. CI - wie gut das funktioniert ist individuell unterschiedlich, oder
    2. Signal pur (120 Frequenzkanäle, parallel) od. mit Vorfilter (ClearVoice, Zoom), 2 Mikrofone (Advanced Bionics) oder
    3. Signal (bis zu 160 Frequenzkanäle, sequentiell) mit Vorfilter (für Alltag, Lärm, Zoom, ...) und 2 Mikrofone (Cochlear), automatische (SCAN) oder manuelle per Fernbedienung, deutlich merkbare, Wechsel der Programme je nach Situation.
  • Wahl des Implantats: Größe, Material, ist MRT möglich bis zu welcher Feldstärke? Ist Magnet entfernbar?
  • Art der Stimulation (parallel, sequentiell), Kodierungsstrategien? Parallele Stimulation erlaubt, mehrere Töne gleichzeitig zu kodieren.
  • Maximale Pulsraten? Je höher die Pulsraten, desto "feiner" der Höreindruck.
  • Anzahl Spektralbänder/ Frequenzbänder/-kanäle / unterscheidbare Tonhöhen / "virtuelle Kanäle" (synonyme Begriffe für denselben Sachverhalt)?
  • Länge des Elektrodenträgers? Ausnutzung der Tonotopie? Kanaltrennung?
  • Ist eine schonende, atraumatische Einführung des Elektrodenträgers möglich? Eine weitestgehende Erhaltung der Nervenfasern u. Strukturen in der Cochlea ist sinnvoll für größtmöglichen Hörerfolg, u. z.B. auch für spätere Reimplantationen oder Anwendung anderer Lösungen (z.B. Stammzellen).
  • Wie sind Entwicklungspotential und Flexibilität des Implantats bei Änderungen/Update des Signalprozessors? Wichtig, um von Weiterentwicklungen möglichst lange und voll profitieren zu können!
  • Welches Potential bietet das CI-System für das Sprachverständnis im Störlärm an?
  • Welches Potential bietet das CI-System für genußvolles Musikhören an (wichtig ist hier vor allem die Anzahl unterscheidbarer Töne/Tonhöhen bzw. Kodierungsstrategien mit hochauflösendem Frequenzspektrum u. Kodierung der Feinstruktur)?
  • Welches Potential bietet das CI-System für das Verstehen von tonalen Sprachen (z.B. Mandarin) an (wie beim Musikhören auch hier ist wichtig insbesondere die Anzahl unterscheidbarer Töne/Tonhöhen bzw. Kodierungsstrategien mit hochauflösendem Frequenzspektrum u. Kodierung der Feinstruktur)!?
  • Unterstützung/Ankopplung von Zubehör möglich über Kabel, Induktion/T-Spule od. Funk / Drahtlostechnik wie z.B. Bluetooth oder Wi-Fi?

Quellen u.a.:

Sonntag, 1. November 2015

Neue Kodierungsstrategien - Triphasische und/oder parallele Stimulation - Vermeidung unerwünschter Reizungen

Ein CI reizt mit kleinen Stromspannungen/-ladungen die Hörnerven, um so einen Höreindruck zu erzeugen. Je nach nötiger Stromstärke abhängig von den Impedanzen, der Anatomie des CI-Trägers, der Leitfähigkeit des Gewebe, der Schädelknochen und individuellem Verlauf seiner Kopf- und Gesichtsnerven etc. in der nächsten Umgebung kann es hier zu unerwünschten, unterschiedlich starken Mitreizungen dieser Nerven kommen!
Dies äussert sich im harmlosen Fall in Kribbeln, Jucken im Gesicht oder einem Taubheitsgefühl z.B. in/auf der Zunge. Handelt es sich nur um dieses zeitweise, sporadisches, leichtes Kribbeln, Jucken oder Taubheitsgefühl können diese Symptome nach einiger Zeit mit der Gewöhnung von selbst verschwinden.
Unangenehmer sind dagegen das mögliche Zucken von Augenlidern oder -brauen. Fies sind z.B. ebenso mögliche, sporadische Muskelkontraktionen am Hinterkopf bei plötzlichen, lauten Geräuschen.
Gerade wenn man hohe Impedanzen hat, muss man mit grösseren Ladungen (Spannungen u. Strömen) arbeiten und es steigt somit das Risiko, dass unerwünschte Reizungen der benachbarten Nerven wie gerade beschrieben auftreten!
Passiert das, schaltet man in solchen Fällen, das gilt für alle CI-Hersteller, ggf. gewöhnlich den betroffenen Kanal bzw. Elektrode ab, falls lokalisierbar, oder begrenzt die Lautstärke, falls ausreichend. Es kann insbesondere auch helfen, mit kleineren Spannungen, aber längeren Phasen bzw. breiteren Pulsen, zu arbeiten, um so dieselbe Lautheit zu erzeugen, oder auch mit kleineren Pulsraten zu arbeiten.

Auch ich bin von diesem Problem betroffen: bei sehr lauten, breitbandigen Geräuschen, wie z.B. lautem Autoverkehr in der Stadt, habe ich am linken Hinterkopf sporadisch Muskelkontraktionen oder zeitweise eine Anspannung der Muskeln dort. Das kann auch zu einem Schmerz an einem bestimmten Punkt führen, quasi einem "Stromschlag". Dies steht mit einem HWS-Syndrom infolge jahrzehntelanger Fehlhaltung wegen einseitigem Hören im Zusammenhang. Als Hörgeschädigter, auch mit Hörgeräten, dreht man sein besseres Ohr automatisch in Richtung seines Gesprächspartners um ihn besser zu verstehen - somit kann auf Dauer, wie auch bei mir, sich diese Fehlhaltung entwickeln. Leider lassen sich solche Entwicklungen nach einer CI Versorgung nicht so schnell und nur schwer zurück drehen... Die Nerven am linken Nacken u. Hinterkopf sind dadurch schon sehr dauergereizt - kommt jetzt noch der Strom durch meine CI dazu und wird dabei eine Schwelle überschritten, werden hierdurch auch diese Fehlreizungen leichter ausgelöst.

Dieser Zusammenhang wurde mir so erst beim Test des Sonnet eindeutig klar. Der Sonnet reizte trotz identischer Map deutlich mehr, weil er vor allem im adaptivem Programm den Hochton in der Lautstärke auf die Spitze treibt! - Das verbessert in der Tendenz das Sprachverstehen, kann aber auch die beschriebenen Fehlreizungen eher auslösen!

Weil die Reizungen in meinem Fall durch breitbandige, nicht genau lokalisierbare Geräusche sporadisch ausgelöst werden, reicht der übliche Weg wie oben beschrieben nicht aus, ohne dass das Sprachverstehen schlechter werden würde. Dazu kommt, dass die Reizungen im Labor bei der Anpassung nicht reproduzierbar sind!

Med-El hat hier nun in der Entwicklung (auch hier u. da) zusätzlich auch die Möglichkeit - und ist vorerst nur für schwierige Fälle vorgesehen bis zu einer offiziellen Freigabe -, mithilfe einer triphasischen statt gewöhnlich biphasischen Stimulation, das mögliche Risiko von unerwünschten Mitreizungen noch weiter zu reduzieren! Die Ladungen werden auf 3 statt 2 Phasen verteilt: 1. Phase negative Ladung, halbe Dauer; 2. Phase positiv; u. 3. Phase wieder negativ mit halber Dauer der Phase - in der Summe sind die Ladungen immer Null. Die Hörnerven lassen sich mit dieser veränderten Ladungsverteilung mit 2 Ladungsübergängen so insgesamt effizienter stimulieren.
Man gewinnt damit so auch wieder zusätzlichen Spielraum, um gute, noch bessere Höreindrücke zu erzeugen - d.h. besseres Sprachverstehen zu ermöglichen - da man die Lautstärke dann nicht mehr so sehr begrenzen muss und somit mehr Dynamik zur Verfügung hat!

Nun, wie hört und fühlt sich das nach der Umstellung an: zuerst ist es ein auffallend härterer, zischigerer Klang, da  der Hochton im Verhältnis lauter ist - denn der muss nicht mehr so sehr wegen möglicher Reizungen begrenzt werden. Gleichzeitig klingen Tief- bis Mittelton weicher, "abgerundet" durch die andere triphasische Ladungsverteilung ;) Nach Tagen konnte ich die Lautstärke weiter erhöhen. Es treten nun kaum mehr Reizungen auf - manchmal ist noch nur ein leichter "Druck" oder Spannung an einer bestimmten Stelle am Hinterkopf links spürbar durch das CI links.

Beim letzten Termin stellten wir weiter um! Links, trotz allem mein "Schokoladenohr", wurden die höchsten 2 Elektroden abgestellt, da der höchste eine zu hohe Impedanz hatte und der Testton beim zweithöchsten nun sehr "unsauber", "verstümmelt" klang. Es scheint  so, dass der Elektrodenträger nicht (nicht mehr?) vollständig, tief genug, in der Ohrschnecke eingeführt ist. Eine Wanderung/Migration von Elektrodenträgern kommt vor - ist das der Grund hier auch!?
Rechts wurden die 2 tiefsten Elektroden abgestellt, weil trotz vieler bisheriger kleinerer Verbesserungen hier der Klang im Vergleich zu links auch nach Jahren so dumpf klang, dass die Verständlichkeit deutlich schwieriger war.
Stattdessen wurden nun links u. rechts jeweils 2 Elektroden zu einem Paar zusammengefasst und auf parallele (auch triphasische) Stimulation aller Kanäle mit doppelter Pulsrate umgestellt. Mir stehen nun pro Seite 2x5 Elektroden zur Verfügung. - Und Ja: jetzt mit Verzögerung von ca. 3 Wochen merke ich deutlich, dass das Sprachverstehen nochmals deutlich besser wird. :) Z.B. The Corrs verstehe ich nun zum grössten Teil auch ohne Untertitel. Auch Jennifer Rostock und viele andere verstehe ich nun weitgehend problemlos. Ich muss mir schon ziemlich Anspruchvolles, schnelle Musik, suchen, um hier die Grenzen zu spüren und zu trainieren! In Filmen kann ich gewöhnlich sehr gut folgen ;) Telefonieren kann ich rechts nun genauso gut wie links!

Wegen der manchmal doch noch auftretenden Anspannungen am Hinterkopf müssen wir nun wahrscheinlich beim nächsten Termin es ausprobieren, zusätzlich mit kleineren Stromspannungen, aber dafür breiteren Pulsen zu arbeiten? Damit ich das Problem der Fehlreizungen hoffentlich auch in lautester Umgebung los werde...

Stand vom 20.12.2015: Jetzt nach weiteren 7 Wochen hat mein Gehirn den neuen Höreindruck rechts weiter, fast völlig dem links angeglichen, ist fast ebenso klar! Beim Telefonieren rechts ist je nach Sprecher der Höreindruck etwas verschwommener als links.
Insgesamt, beidseitig, hat sich in den letzten Wochen deutlich mehr getan! Höre nochmals sehr viel detaillierter dank der neuen, feinen Kodierungsstrategie! Komme gewöhnlich auch im Störlärm - sei es in einem Lokal oder auf dem Weihnachtsmarkt - problemlos zurecht.
Bei den Fehlreizungen hat sich leider noch nicht weiter gebessert - das werde ich hoffentlich beim nächsten Anpassungstermin Ende Januar 2016 ganz beheben können.

Dienstag, 21. Juli 2015

Tipp: Natalie Girth - Das Ohr ist eine Tür

Hier eine Info zu der Sendung des BR - Das Ohr ist eine Tür - über Natalie Girth, 7 Jahre nach ihrer Implantation eines Cochlea Implantates, zu ihrer Hörentwicklung:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/lebenslinien/das-ohr-ist-eine-tuer-100.html

Sie kann man sich in der Mediathek des BR noch anschauen. Ist sehr zu empfehlen! ;)

Samstag, 27. Juni 2015

Musik trainiert das Verstehen im Störlärm

Die schönste Art, Hörtraining zu betreiben! ;)
In folgendem Beitrag wird beschrieben, wie das Spielen eines Musikinstrumentes das Hören trainiert und somit auch das Verstehen in schwierigen Hörsituationen verbessert:


Wohlgemerkt die Leistung der Ohren selbst wird da nicht verbessert, sondern die Leistung des Gehirns, Stör- und Nutzschall zu trennen. Ansonsten kann ich der Intention nur beipflichten:

Ich habe seit meiner ersten Implantation des CI immer regelmäßig Musik gehört und empfinde es jetzt als sehr schön. Teilweise je nach Sänger verstehe ich inzwischen sogar den Text - was früher nie ging! Beispiele sind Alina Süggeler von Frida Gold, Tim Bendzko, Andreas Bourani oder auch The Corrs - je nach Song sogar bis zu 100%! ;) Das "Üben" des Raushören der Singstimmen neben den gespielten Instrumenten ist ähnlich zu sehen, wie wenn man selbst spielt oder dem Hören im Störlärm, d.h. in lauter Umgebung. Ich kann mich heute auch recht problemlos in Restaurants und Kneipen unterhalten...

Es lohnt sich, als HG- od. CI-Träger, da dran zu bleiben und immer wieder regelmäßig Musik zu hören und sich auf Neues an Klängen einzulassen! ;)

Freitag, 26. Juni 2015

Tipp: Musik über Roger Pen / Roger X / BT plus Android an CI/HG ausgeben

Med-El Opus2 mit FM/Roger X und weicher CI-Halterung:
so hält das bestens am Ohr ;)
Im Dezember 2014 berichtete ich über meinen Test des Roger Pen. Der Roger Pen kann per Bluetooth mit anderen Geräten koppeln, wie Smartphones, Tablets, PC usw. Es wird allerdings nur das Profil HSP / HFP unterstützt, das hauptsächlich von Headsets für Telefonie verwendet wird und nur Mono kann - kein Stereo.

Offiziell kann man nun über den Roger Pen  mit einem Android-Smartphone keine Audioquellen z.B. von Youtube, Musik-Player und anderem abspielen, da hierfür über Bluetooth das Profil A2DP benötigt wird.

Es existieren aber Apps, die den Ton umleiten können. Problemlos und in sehr guter Qualität (allerdings nicht Stereo) geht das mit Mono Bluetooth Router. Getestet wurde das zusammen mit Moto G und Android 5.1 / Lollipop.

Freitag, 19. Juni 2015

Tipp: Hilfe, ich brauche ein Hörgerät

Hier eine Info zur Sendung "Hilfe, ich brauche ein Hörgerät" des SWR vom 17.06.2015:


"Als schwerhörig gilt bereits, wer das Ticken einer Armbanduhr nicht mehr hören kann. Schwerhörigkeit gehört zu den meistunterschätzten Gesundheitsschäden. Entscheidet man sich dann für ein Hörgerät, erfordert die Anpassung viel Geduld."

Es wird hier sehr gut dargestellt, wie eine Hörgeräteversorgung ablaufen sollte! Insbesondere sollte das Hörgerät schrittweise angepasst werden über Wochen und Monate. Dafür sollte man einen etwas höheren Preis in Kauf nehmen, wenn dafür der Service entsprechend besser ist. Stellt der Akustiker gleich auf 100% ein, ist er zwar schnell fertig und hat selbst wenig Aufwand! Der Betroffene aber ist in diesem Fall schnell überfordert - die Gefahr, dass die Hörgeräte dann in der Schublade landen, ist da schnell da!

Samstag, 9. Mai 2015

Fazit zum Med-El Sonnet

Hier berichtete ich über erste Eindrücke zum Med-El Sonnet. Als erstes Fazit ist das Ergebnis für mich sehr zwiespältig. Ich "meckere" hier wohl auch auf sehr hohem Niveau, weil ich inzwischen mit dem Opus2 "mit seiner puren, konstanten Signalabgabe" nun nach über 2 bzw. 3 Jahren doch gut bis sehr gut zurecht komme und er optimal eingestellt ist!

Tendenziell blitzt immer wieder auf, dass der Höreindruck mit dem Sonnet noch feiner u. differenzierter ist, was das Verstehen nochmals erleichtern kann. Im Labor werden tatsächlich deutlich bessere Ergebnisse im Sprachverständnis gemessen.

Allerdings, der Sonnet setzt nun mehr auf zusätzliche Filter und "Optimierungen": die automatischen Regelungen "funken" aber für mein Empfinden zu sehr dazwischen und erschweren im Alltag, vor allem Outdoor - draussen -, eher sehr das Verstehen und Hören als, dass sie helfen. Es muss zumindest für die Zukunft vor allem die Option geben, dass Regelungen dahingehend optimiert oder abgeschaltet werden können, so dass insbesondere das Lautstärkeniveau und die Dynamik möglichst weitgehend konstant bleiben in möglichst allen Situationen, wie es eben auf dem Opus2 ist. Daneben existieren m.E. noch große Fehler...

Ich hatte zuletzt eine erneute Anpassung, wobei der Tief- und Hochton etwas reduziert und der Mittelton etwas angehoben wurde. Trotzdem ist der Tiefton (bzw. Bass) zu dominant, vor allem im omnidirektionalen Programm.

Gegen "Laufwind" und den zu dominanten Bass, der ggf. alle Stimmen wegdrückt, hilft es etwas, die Mikrofonempfindlichkeit zusätzlich über die Fernbedienung deutlich zu reduzieren (d.h. 7 bis 15 Stufen). Beim Opus2 hatte ich hier immer 100%!. Auf dem Sonnet wird hier die Lautstärkeregelung zu unruhig, wenn die Empfindlichkeit zu hoch ist. Problem ist nur, dass es gilt, auch hier den besten Kompromiss zu finden: denn z.B. im Supermarkt eher -15 Stufen, aber auf der Strasse eher -7 Stufen. Wenn man die Mikrofonempfindlichkeit zu sehr reduziert, kann der Effekt entstehen, bzw. verstärkt sich noch mehr als sonst, dass man sich "unter einer Käseglocke" befindet, weil dann zu viele entferntere Geräusche und Stimmen ausgeblendet werden. Man muss ständig mit der Fernbedienung die Einstellung dementsprechend anpassen, weil es sonst nicht auf die Situation passt. Beim Opus2 ist das unnötig - bleibe hier immer im selbem Programm mit der derselben Einstellung!

Das direktionale, "natürliche" Programm (das die natürliche Charakteristik und Richtwirkung der Ohrmuschel nachbilden soll) ist nach meiner Erfahrung sehr nach vorn ausgerichtet und filtert allzu drastisch, was von hinten oder seitlich kommt, d.h. wenig natürlich für mich! Rufe von hinten sind dann kaum hörbar! Hier wäre ein Parameter sinnvoll, so dass man selbst die Richtwirkung bzw. den Winkel von stark bis schwach bzw. von schmal bis breit beeinflussen könnte. Dieses Programm hilft m.E. ggf. momentan nur in einer Kneipe oder bei Frontalsituationen, wie z.B. dass allein ein Dozent vorne spricht.

Der beste Kompromiss beim Sonnet ist für mich eher nun das adaptive Programm mit Mikrofonempfindlichkeit um -7 Stufen reduziert. So in etwa sind die "Dämpfer" möglichst wenig spürbar: es ist auch hier immer wieder auffallend (u. gilt für alle Programme), wie die Lautstärke hin- u. herschwankt. Es versucht immer, leiser zu werden, wenn niemand spricht. Radiohören ist z.B. ein Graus, weil die Radiostimme nicht erkannt wird und somit immer leiser und unverständlich wird. Man läuft fast ständig unter einer "Käseglocke". Sehr störend und potenziell gefährlich: tendenziell fällt alles unterm Tisch, was der Algorithmus meint, unwichtig zu sein. Wie oft hörte ich den Abstandwarner, Signale oder den Verkehr nicht, weil der SP gerade abregelte...

Grundproblem bei allem ist immer der trotz veränderter Anpassung im Alltag zu dominante Tiefton, der ggf. alles andere überdeckt und "wegdrückt". Der starke Wind heute führt z.B. in diesem Zusammenhang dazu, dass er sehr laut ankommt, somit versucht der Sonnet, leiser zu regeln, und dämpft so sehr, dass eine Unterhaltung unmöglich wird. Beim Opus2 ist das alles kein Problem, der Wind bleibt im Hintergrund, kann mich unterhalten und höre gleichzeitig alles in der Umgebung wie z.B. das Pfeifen meines Kindes auf 20m Entfernung beim Spazieren...
Ich bekam den Hinweis, dass evtl. im Gegensatz zum Opus2 eine weitere, drastische Reduzierung, gar Halbierung, der Kanäle 1-4 für den Tiefton das Problem lösen könnte. Das müssen dann ggf. weitere Tests zeigen?! Die automatische Regelung der Lautstärke macht es aber fast unmöglich bzw. sehr langwierig, den Sonnet korrekt im Labor einzustellen. Kurze Spaziergänge, um die letzte Einstellung zu verifizieren, reichen da nicht.

Sehr konfus ist es, wenn die Sonnet's links u. rechts unterschiedlich laut regeln! Hier braucht es zumindest eine Kopplung der beiden SP per Funk, so dass sie, wenn sie solche Filter einsetzen, sich abstimmen können (Stichwort: binaurale Kopplung/Signalverarbeitung). Beim Opus2 ist das unnötig.

Ich komme zum Schluss, dass für mich eher ein verbesserter Opus2+ mit noch feinerem Klangbild, aber ohne zusätzliche Filter oder Algorithmen - plus evtl. Drahtlosfunktionen per WLAN und BT sehr viel sinnvoller wäre.

Das Gehirn soll selbst die ganze Filterarbeit machen!

Leider bestätigt sich somit wieder meine bisherige Erfahrung! Zu starke, exzessive Filter sind m.E. kontraproduktiv - nicht wirklich hilfreich. Sie treffen zu oft falsche Entscheidungen. Das gilt nach meinen Erfahrungen mit dieser Technik über die Jahre für Hörgeräte und CI jeder Couleur! Alle betrifft die Problematik, z.B. die Kommentare zum SmartSound von Cochlear beim N6 beschreiben ähnliches (oder auch hier).

Von Med-El stehen ausgereifte, gute Prozessoren zur Verfügung, nämlich den Opus2 und Rondo. Mit denen ist der Hörerfolg gleichermassen gesichert! Beim Sonnet - da will man zuviel Neues auf ein Mal: kleine Vorteile erkauft man sich erstmal mit neuen großen Problemen und Nachteilen!
Die  Fehler werden nach und nach, denke ich, per Software-Updates ausgemerzt und hoffentlich Optionen hinzukommen, die Filter abschalten bzw. die Regelungen sehr defensiv einstellen zu können.

Nachtrag vom 19.06.2015: Inzwischen bekam ich viele Rückmeldungen: die einen können meine Erfahrungen bestätigen, während die anderen die beschriebenen Effekte nicht spüren!? Zu beachten ist: die neu mit dem Sonnet Erstangepassten können solche Probleme ggf. erst verzögert melden, wenn der Höreindruck entsprechend fortgeschritten ist.